Terra incognita am Stadtrand von Neuruppin
Vor 100 Jahren – im Juli 1907 – wurde der Kanalisierungsentwurf der Stadt Neuruppin genehmigt. Vorausgegangen waren sechs Jahre Vorbereitung, veranlasst durch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung – sicherlich stark beeinflusst durch einen preußischen Ministerialerlass von 1901 zur Reinhaltung der Gewässer.
Die Verantwortlichen von Neuruppin entschieden sich hinsichtlich der Abwasserreinigung für das Verfahren der Landfiltration und ließen im Zuge der Kanalisationsarbeiten Rieselfelder an nördlichen Rand der Stadt anlegen. 1910 in Betrieb gegangen, wurde diese Anlage bis 1999 nahezu unverändert betrieben. Etwa 25 Jahre später kam in der Nähe ein Wasserwerk für die Versorgung von Neuruppin hinzu.
Deutliche Spuren haben die 90er-Jahre Abwasserbeschickung zur "Beseitigung der Fäulnisfähigkeit" des Abwassers im märkischen Sand hinterlassen und auch der Übungsbetrieb der benachbarten Panzerkaserne ist nicht ohne Folgen für die Rieselfelder geblieben.
Heute liegt inmitten der alten Rieselfelder die moderne Kläranlage der Stadt und beansprucht knapp ein Zehntel der ursprünglichen Fläche. Das nahe gelegene Wasserwerk deckt den größten Anteil der Trinkwasserversorgung ab.
Wie jedoch geht man mit den restlichen Flächen verantwortungsbewusst um?
Ein Rundgang, der durch verschiedene Bereiche der alten Abwasseranlage führt, soll die unterschiedlichsten Stadien der Veränderung seit 1999 zeigen und führt auch am 2006 modernisierten Wasserwerk vorbei – Gebiete am Stadtrand, die wohl die wenigsten kennen. Eine Kulturlandschaft, die vom Wasser geprägt ist.
Auf mehreren Beeten mit einer Fläche von ca. 1 ha wird der ursprüngliche Rieselfeldbetrieb demonstriert (heute allerdings mit gereinigtem Abwasser). Das Fortschreiten der Sukzession nach Einstellung des alten Betriebsregimes in Abhängigkeit der Schadstoffbelastung kann betrachtet werden. Der Rundweg führt durch Bereiche mit gezielt vorgenommenen Veränderungen, wie Aufforstungsflächen und Bereiche, die zukünftig der Naherholung dienen sollen. Er streift aber auch Feuchtbiotope, die aus gutem Grund erhalten bleiben sollen. Hat sich doch trotz erheblicher Belastungen ein Biotop entwickelt, das auch manch gefährdeter Art Lebensraum gibt.
Mit etwas Geduld können in der offenen Landschaft zahlreiche seltene Vogelarten und verschiedene Wildtiere beobachtet werden.
Dass Schilfröhricht auch in der Klärschlammbehandlung eine Rolle spielen kann, zeigen neue Pläne zum Aufbau einer Vererdungsanlage in einem Teil der alten Rieselfelder.


